Tennisarm Golfarm in Mannheim

Therapie von Tennisarm (epicondylitis radialis) u. Golfarm (epicondylitis ulnaris) mit Botulinumtoxin A

Die Epicondylitis ist als Schmerzsyndrom im Bereich des Ursprungs der Hand- und Fingermuskulatur an den Epicondylen des Humerus ( am unteren Teil des Oberarmknochens ) definiert, wobei die Epicondylitis humeri radialis ( Tennisarm ) die häufigste Myotendinose der Unterarmstreckmuskulatur darstellt. Hierbei liegt eine chronische Überbeanspruchung der an den Epicondylen entstpringenden Muskulatur vor mit Bildung eines degenerativen Granulationsgewebes. Der Epicondylus ist druck- bis berührungsempfindlich und die Pronation ( Drehung des Handrückens nach oben ), die Streckung des Handgelenkes sowie des Mittelfingers und die Streckung im Ellbogen bei gebeugter Hand sind schmerzbedingt eingeschränkt (beim Golfarm sind die Gegenspieler betroffen).

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es ?

Die klassischen Therapiemaßnahmen bestehen bei leichteren und akuten Fällen in Spritzen und Verbänden, bei schwereren und chronischen Fällen in mehrwöchiger Immobilisation im Gips oder schließlich bei Versagen der konservativen Therapie in einer operativen Desinsertion der Handgelenksstreckmuskulatur (oder –beugemuskulatur) mit Ausheilung in narbiger Verlängerung der Muskelansätze (OP nach Hohmann), gegebenenfalls mit zusätzlicher Denervation des Nervus radialis (OP nach Wilhelm).

Botulinumtoxin A ist in Deutschland seit 1993 für die Therapie des Blepharospasmus und seit 1995 für den Torticollis spasmodicus zugelassen. Die Zulassung in einigen EU-Ländern schließt die Behandlung der Spastik von Kindern mit Cerebralparese ein.

Botulinumtoxin Typ A ist ein 150 Kda-Protein. Es wird durch das Bakterium Clostridium botulinum produziert. Das Toxin wird in präsynaptische cholinerge Nervenendigungen aufgenommen. Dort kommt es zur Blockade der Acetylcholin-Ausschüttung. Hierdurch wird die Erregung der postsynaptischen Membran der Muskelfasern verhindert, und der Muskel ist chemisch denerviert ( gelähmt ). Der muskelentspannende Effekt beginnt etwa ein bis zwei Wochen nach der Injektion und dauert drei bis vier Monate lang an. Dann normalisieren sich der Muskeltonus und die Muskelkraft wieder. Nebenwirkungen der therapeutischen Gabe können vorübergehende, unerwünscht starke Paresen des Zielmuskels oder benachbarter Muskeln sein. In seltenen Fällen können kurzzeitige grippeartige Symptome auftreten. Bei regelmäßiger und insbesondere kurzfristiger Wiederholung der Injektion kann es vereinzelt zur Bildung von neutralisierenden Antikörpern kommen, die bis auf den Wirkungsverlust des Botulinumtoxins keine nachteiligen Wirkungen für den Patienten haben. Hinweise für Organschäden oder Nebenwirkungen auf das zentrale Nervensystem fanden sich im Laufe der über 10jährigen Anwendung weltweit nicht.

Neuere Studien berichten über die Anwendung von Botulinumtoxin A beim chronischen myofascialen Schmerzsyndrom verschiedener Körperregionen oder beim assoziierten Nackenschmerz nach Schleudertrauma. Eine erste Anwendung an 14 Patienten mit Epicondylitis humeri radialis wurde 1997 von Morre veröffentlicht, der über vielversprechende Ergebnisse berichtete. Botulinumtoxin A fokal in die Hand- und Fingerextensionsstrecker injiziert, führt zu einer partiellen und reversiblen Lähmung der betreffenden Muskeln. Durch den schrittweise eintretenden Bewegungszuwachs (in Flexionsrichtung) wird die funktionelle Verkürzung der betreffenden Muskulatur gelöst und das auslösende Schmerzmoment durchbrochen. Letztlich verfolgt diese zeitweise und wiederholbare Blockade der neuromuskulären Übertragung der Handgelenksstrecker das gleiche Ziel wie die Operationsverfahren nach Hohmann und Wilhelm.

Patienten mit chronischer therapierefraktärer Epicondylitis humeri radialis (oder ulnaris) können im Rahmen eines Heilversuches mit Botulinumtoxin A behandelt werden. Primäres Behandlungsziel ist das Erreichen einer Schmerzlinderung oder Schmerzfreiheit. Nach meiner persönlichen 13-jährigen Erfahrung mit dieser Therapie ist in den meisten Fällen mit erheblicher Besserung oder Heilung zu rechnen. In etwa 2/3 der Fälle genügt eine einzige Therapiesitzung. So ist neben der von Morre beschriebenen raschen Wirkung auch der Langzeiteffekt von Bedeutung (sekundäres Behandlungsziel).

 
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